fbpx

Die ultimative Herausforderung: Mein Weg zur ersten Langdistanz

02. Nov 2023

Strongerlab Inside – Geschichten aus unserem Squad


Der Ironman – ein Wettkampf, den ich schon immer auf meiner To-do-Liste hatte, aber nicht sicher war, ob ich mich tatsächlich anmelden würde. Letztlich entschied ich mich aus einer spontanen Laune heraus dafür, angestachelt von einem Freund. Ende August 2022 hatte ich mich für den Ironman in Kalmar, Schweden angemeldet. Im Laufe des Trainingsjahrs schlich sich ab und zu der Gedanke ein: „Wenn dir das Training und alles zu viel wird, kannst du immer noch aufhören.“ Doch als am 19. August 2023 mein Wecker sehr früh klingelte, wusste ich, dass ich das Trainingsjahr mit einigen Höhen und Tiefen erfolgreich gemeistert hatte und es an der Zeit war, den Ironman in Angriff zu nehmen.

Ich bin Marcel und nehme euch mit auf meine Reise zum ersten Ironman – eine Reise voller Herausforderungen und Lektionen, die mich nachhaltig prägen werden.

Die Vorbereitung

Meine Vorbereitung auf den Ironman war keineswegs reibungslos. Im Mai hatte ich mit einer Zahnwurzelentzündung zu kämpfen, die mich dazu zwang, Antibiotika zu nehmen und das Training für fast zwei Wochen zu unterbrechen. Mitte Juli setzte mir eine Erkältung zu, die erneut eine Trainingspause erforderte. Kurz vor dem Ironman plagten mich hartnäckige Oberschenkelprobleme, weshalb ich vorübergehend auf das Laufen verzichten musste. Die Frustration und Unsicherheit, ob ich rechtzeitig wieder fit werden würde, waren bisweilen schwer zu ertragen. Doch auch dank zweier intensiver Physiotherapiesitzungen in der Rennwoche und entsprechenden Tapes war der abschließende Lauf vor dem Ironman schmerzfrei, was mir Sicherheit gab für den Renntag.

Die Rennwoche

Am Mittwoch machten wir – zwei Freunde als Supporter und ich – uns auf den Weg nach Kalmar. Als wir ankamen, strahlte die Sonne und es war warm – perfektes Triathlon-Wetter. Vielleicht sogar ein bisschen zu warm für eine Langdistanz, dachte ich. Am Donnerstag wagten wir uns bei angenehmen Wassertemperaturen zum Testschwimmen ins Meer. Es fühlte sich großartig an. Am Tag vor dem Rennen schlug das Wetter dann um, und Regen und Wind brachten deutlich kühlere Temperaturen. Diese Erfahrung lehrte mich, auf Unvorhergesehenes vorbereitet zu sein und flexibel zu reagieren.

Pre-Race-Momente

Der Rennmorgen begann mit einem kleinen Schreckmoment. Zuerst dachte ich, mein Rad und meine Wechselbeutel wären bereit, und ich könnte entspannt zum Schwimmstart gehen. Doch plötzlich bemerkte ich, dass ich immer noch meine Laufflaschen bei mir hatte. Nach einem kurzen Moment der Panik und einem Blick auf die Uhr stellte ich erleichtert fest, dass die Wechselzone noch geöffnet war, und so konnte ich mit einem kurzen Sprint alles rechtzeitig an seinen Platz bringen. Dies erinnerte mich daran, wie wichtig es am Renntag ist, fokussiert zu bleiben.

Epische Stimmung beim Schwimmstart (Foto: Fabian Sommer)

Der Schwimmpart

Der Start des Schwimmens war von Aufregung und Anspannung geprägt. Meine Anspannung zeigt sich oft in Schweigsamkeit. Ein erfahrener Trainingskollege riet mir noch einige Tage zuvor, mich weiter vorne im Rolling Start einzureihen. Kurz bevor das Startsignal um 7 Uhr ertönte und ich mit knapp 1600 Athleten bereitstand, überkam mich kurz die Frage, was ich hier eigentlich machte. Doch sobald das Rennen begann, waren die Zweifel wie weggeblasen. Der unerwartete Wetterumschwung hatte das Wasser abgekühlt und der Wind bereitete uns auf dem Weg aus dem Hafen ordentlich Gegenströmung und Wellen.

Anfangs fiel es mir schwer, meinen Rhythmus zu finden, aber nachdem ich mich auf richtige Armzüge konzentrierte, kam ich wieder gut voran. Auf dem Weg zurück halfen mir die Wellen voranzukommen. Der Kurs führte durch eine enge Passage unter einer kleinen Brücke, wo sich alle 1600 Athleten gleichzeitig hindurchzuzwängen schienen. Nach diesem Engpass konnte ich schnell wieder meinen Rhythmus finden. Obwohl ich etwas langsamer schwamm als auf kürzeren Distanzen, verlief das Schwimmen recht zufriedenstellend für mich. Nach dem Schwimmen war ich erleichtert, diesen ersten Abschnitt gemeistert zu haben.

Transition 1 (T1): Schwimmen >> Rad

Beim Ausstieg aus dem Wasser plante ich zunächst, ohne die bereitstehenden Ironman-Supporter die Rampe hochzulaufen. Doch nach ein paar Schritten merkte ich, dass ich doch etwas Unterstützung benötigte, um mein „Laufen“ zu stabilisieren. In der Wechselzone entschied ich mich, wie geplant, Socken anzuziehen. Nicht nur wegen des Komforts und der kalten Füße, sondern auch, um meine Füße vor den scharfkantigen Pflastersteinen zu schützen, die sich in der Nähe meines Radplatzes befanden. Dafür verwendete ich kurze Laufsocken und streute vorher Babypuder hinein, um mit nassen Füßen leichter hineinzukommen.

Die Radstrecke

Das Radfahren, meine absolute Lieblingsdisziplin, fühlte sich großartig an. Obwohl ich sicherlich nicht in die Kategorie Magnus Ditlev falle, fühlte ich mich in „seinem“ Triathlonanzug ein bisschen wie er, als ich einige Athleten vor mir einsammeln konnte. Der starke Nordost-Wind mit kräftigen Böen machte die ersten 60 Kilometer zu einem angenehmen Ritt mit Rückenwind. Die Herausforderungen kamen mit dem Seiten- und Gegenwind, als sich die Streckenausrichtung änderte. Besonders anspruchsvoll war die Überquerung der Ölandbrücke mit ihrer exponierten Ost-West-Ausrichtung und dem Nebel. Auf der Brücke merkte ich, dass mein Anzug immer noch nass war, aber ich spürte keine Kälte.

Zum ersten Mal in einem Rennen musste ich anhalten, um zur Toilette zu gehen. Einfach „laufen zu lassen“ war keine Option, sowohl aus regelkonformen Gründen als auch auf Anraten meines Trainers, der mir erklärt hatte, dass Urin Mineralien enthält, die die Haut an den Füßen später beim Laufen reizen können (Blasen). Daher machte ich zweimal an Verpflegungsstationen Halt und noch einmal in T2, um das Dixi aufzusuchen. Übrigens ist es gar nicht so einfach, sich aus dem (nassen) Anzug zu schälen und wieder hineinzukommen, wie es vielleicht klingen mag.

Die Marke von 120 Kilometern gab mir einen Motivationsschube, denn ich wusste, dass ich bald „zuhause“ sein würde.

Transition 2 (T2) und der Marathon

Der Wechsel zum Laufen markierte den Beginn des Marathons. Es galt, drei Runden zu laufen. Anfangs führte die Strecke durch die Altstadt, in der es überall verführerisch nach Essen roch, was eine echte Prüfung war. Bereits ab Kilometer 8 begannen meine Oberschenkelmuskeln zu krampfen. In der ersten Runde lief ich noch durch, aber ab der zweiten Runde beschloss ich, bei den Verpflegungsstationen Gehpausen einzulegen, um meine Muskulatur zu lockern. Leider blieb es nicht bei den Gehpausen an den Verpflegungsstationen. Eine dieser Pausen dehnte sich sogar auf 10 Minuten aus. Das half zwar, aber die Krämpfe verschwanden nie vollständig.

Der Marathon bot keine größeren Höhen und Tiefen, eher einen stetigen, sanften Auf- und Abstieg. Die vielen jubelnden Schweden in den Wohngebieten, die Live-Musik und die Zuschauer auf den Tribünen waren schwer zu übersehen. Obwohl ich die Stimmung leider nicht in vollen Zügen genießen konnte, war es ein besonderer Moment, wenn ich vertraute Gesichter in der Menge ausmachte.

Als ich das letzte Bändchen für die Rundenmarkierung erreichte, wusste ich, dass die letzten 2 Kilometer begonnen hatten. Das war mein Signal, noch einmal Gas zu geben. Ich war erleichtert, endlich auf den Zielteppich abzubiegen. Die berühmten Worte „You are an Ironman“ konnte ich gar nicht hören, weil ich immer noch mit mir selbst beschäftigt war.

„YOU ARE AN IRONMAN!“ (Foto: Fabian Sommer)

Mein Strecken-Support und der Tag danach

Während des Radfahrens sah ich von vielen bekannten Gesichtern kaum jemanden, aber beim Laufen begegnete ich ihnen mehrmals. Freunde & Familie müssen bei Triathlonrennen normalerweise weite Wege zurücklegen, um den eigenen Athleten zu sehen. In Kalmar genügte oft ein Blick über die Schulter, um die Athleten auf dem Rad oder beim Laufen zu erspähen. In den Momenten, in denen es mental schwierig wurde, waren die Gesichter meiner Freunde zusätzliche Motivation, weiterzumachen. Schließlich wollte ich meine Supporter nicht enttäuschen, die mit mir die weite Reise gemacht hatten.

Und wie fühlt man sich am Tag nach einem Ironman? Der Muskelkater, vor allem in den Oberschenkeln, war heftig. Aber er verschwand erstaunlich schnell. Dank einer klugen Vorbereitung, bei der ich meine Wadenmuskulatur während des Ironmans mit Calves „geschützt“ hatte, hatte ich keinerlei Beschwerden in den Waden.

Die Reflexion: Ziel, Highlights und Herausforderungen

Mein ursprüngliches Ziel war eine Zielzeit von unter 10 Stunden. Doch während des Laufs konnte ich die geplante Pace nicht aufrechterhalten, und so passte ich mein Ziel auf Sub-11 Stunden an. Mit meiner Endzeit von 10:54:48 war ich dennoch zufrieden.

Mein persönliches Highlight im Rennen war, jeweils in der Wechselzone zu sehen, wie gut ich lag. Als ich in T1 einlief, standen die meisten Räder noch da. Und als ich in T2 einlief, waren noch nicht so viele Räder zurück. Das war ein tolles Gefühl, das mich auf den ersten Kilometern des Laufs beflügelte. Ich war auch positiv überrascht von meinem Rennanzug von Fusion, mit dem ich zuvor nie geschwommen oder gelaufen war.

Aber es gab auch herausfordernde Momente, z. B. als mein Teamkollege genau in dem Moment an mir vorbeilief, als ich meine längere Gehpause einlegte. Das war frustrierend, dauerte jedoch nicht lange an, da der Gedanke an meine Supporter am Streckenrand mir neue Energie gab. Als meine Oberschenkel begannen zu krampfen und der Blick auf die Uhr zeigte, dass ich meine angestrebte Pace nicht laufen konnte, war ich kurzzeitig wütend auf mich selbst. Diese Energie konnte ich nach meiner Gehpause nutzen, um mich noch einmal zu motivieren und mich selbst anzutreiben. Zusammenreißen und durchhalten war das Motto.

Fazit und Ausblick

Würde ich das Rennen in Kalmar wieder machen? Die Antwort ist ein klares Ja. Die Schweden verwandeln es wirklich in ein Triathlonfest. Aber andererseits ist Ende August auch etwas spät im Jahr. Man startet topfit und voller Motivation aus dem Winter, absolviert ein Trainingslager und wäre eigentlich bereit. Dann folgen noch einige Monate, in denen man den Trainingsstand halten und gleichzeitig Verletzungen oder Krankheitsausfälle vermeiden muss. Meine Teilnahmen in der Landesliga haben zwar viel Spaß gemacht, sind aber vielleicht nicht die beste Vorbereitung für eine Langdistanz. Mitteldistanzen hingegen schon.

Eines steht fest: Ich werde nächstes Jahr wieder an einer Langdistanz teilnehmen!

Mein Tipp: Sucht euch Trainingskollegen (Foto: Fabian Somnmer)

Meine 4 Tipps für Langdistanz-Rookies

Für alle, die sich auf die Reise zu ihrer ersten Langdistanz begeben, möchte ich vier Tipps mit auf den Weg geben:

  1. Arbeite mit einem guten Coach zusammen: Ein erfahrener Coach wird euch gut vorbereiten und sicherstellen, dass ihr gesund an den Start geht. Außerdem habt ihr mit einem Trainer ein stärkeres Gefühl, den Trainingsplan befolgen zu müssen. Bei KI- oder standardisierten Plänen ohne persönlichen Ansprechpartner fehlt diese Motivation vielleicht.
  2. Suche dir einen passenden Trainingspartner: Besonders bei langen Laufeinheiten oder unangenehmem Wetter kann ein Trainingspartner eine unschätzbare Unterstützung sein, um das Training trotzdem durchzuziehen. An dieser Stelle: Danke, Fabian!
  3. Trainiere deine Verpflegung: Wenn du nicht weißt, welche Sportnahrung du, in welcher Menge und Konzentration unter verschiedenen Bedingungen verträgst, kannst du noch so viel trainieren und dennoch große Schwierigkeiten beim Rennen haben.
  4. Sei wissbegierig und informiere dich: Kleinigkeiten können einen großen Unterschied machen. Und so habe ich aus einem Podcast über Marathonernährung gelernt, dass man nach dem Essen eines Riegels sehr viel Flüssigkeit trinken muss, damit der Körper die Nährstoffe überhaupt aufnehmen kann.

Die Reise zur ersten Langdistanz ist ein Abenteuer voller Höhen und Tiefen, aber es ist auch eine Reise des Wachsens, der Entschlossenheit und der Selbstentdeckung. Ich hoffe, meine Erfahrungen und Tipps können euch auf eurem eigenen Weg inspirieren und unterstützen.


So schließt sich das Kapitel in der Reihe „Strongerlab Inside“ – inspirierende Geschichten aus unserer Squad, die euch ermutigen sollen, eure eigenen sportlichen Träume zu verfolgen.

Diese Artikel könnten Dich auch interessieren:

Die Macht der Erwartungen im Sport

Die Macht der Erwartungen im Sport

Erfahre, wie die richtige Einstellung zu Erwartungen im Sport entscheidend für Erfolg und mentale Stärke sein kann. Auswirkungen mentaler Schwäche im Sport Das folgende Beispiel ist aus dem Buch "Siegen ist Kopfsache" genommen, um an einem konkreten Beispiel zu...

mehr lesen